So grün ist Ökostrom wirklich

Wie die FTD berichtet soll der Ökostrom-Anbieter “Lichtblick” seinen Kunden grünen Strom verkauft haben der in Wirklichkeit gar kein Ökostrom war. Demnach soll “Lichtblick” seinen Kunden auch Kohle- und Atomstrom geliefert haben, den der Stromversorger an der Leipziger Strombörse European Energy Exchange eingekauft hat. Der Stromversorger wirbt damit seinen Kunden “100% ÖKO-STROM” anzubieten. Weiterhin heisst es auf der Webseite des Stromanbieters:

Seit 2003 wird unser Strom vollständig aus regenerativen Energiequellen wie Wasser, Biomasse, Sonnenenergie oder Windkraft erzeugt.

So grün ist also Ökostrom. Und “Lichtblick” ist wahrscheinlich nicht der einzige Ökostrom-Anbieter der seinen Kunden auch Atom- und Kohlestrom verkauft. In einer Stellungnahme von “Lichtblick” heisst es:

Die von der FTD aufgegriffene Thematik betrifft nicht den planbaren Stromeinkauf, der den prognostizierten Bedarf der Stromkunden vollständig deckt. Vielmehr geht es hier nur um die Mengen, die zur Kompensation von kurzfristig auftretenden Abweichungen zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Verbrauch der Kunden erforderlich sind. Es handelt sich dabei um zwangsläufig auftretende Mengen, die weniger als ein Prozent der Gesamtmenge ausmachen. Diese sogenannte Regelenergie kann nicht “grün” beschafft werden. Jeder Ökostromanbieter kann diese Abweichungen nur über den Regelenergiemarkt oder den Spotmarkt der Strombörse kompensieren. Alternativen gibt es nicht, weil es weder einen Regelenergie- oder Spotmarkt für Ökostrom noch regenerativ erzeugte Ausgleichs- und Regelenergie gibt.

Diese Aussage könnte ein herber Imageverlust für die Öko-Strom-Anbieter bedeuten, da augenscheinlich alle Ökostromanbieter Strom nachkaufen müssen um Engpässe bei der Stromversorgung auszugleichen.

Der eigentliche Skandal ist aber nicht das Ökostromanbieter Strom an der Strombörse einkaufen müssen, sondern das die Kunden nicht zu hundert Prozent darüber aufgeklärt werden woher der bezogene Strom stammt. Nach Angaben der FTD hat “Lichtblick” bisher immer bestritten Strom an der Strombörse eingekauft zu haben. Gerade beim grünen Strom erwarten die Kunden, die sich mit ihrer Entscheidung für Ökostrom aktiv für den Klimaschutz einsetzen, aber Transparenz darüber wie grün der Strom wirklich ist den sie beziehen, zahlt man doch gern dafür auch ein paar Cent mehr für die Kilowattstunde.

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geschrieben am Juni 12th, 2008 mit Kommentare geschlossen.
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3 comments

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#1. Juni 17th, 2008, at 5:08 PM.

Ich würd mich freuen, wenn die Leute sich wirklich Gedanken machen, bevor genörgelt wird. Es ist doch besser, wenn wir 98% grünen Strom bekommen, anstatt alles komplett aus Kohle- und Atomkraftwerken zu ziehen, oder?

Get your own gravatar by visiting gravatar.com Jacob Dilßner
#2. Juni 20th, 2008, at 10:32 AM.

Ich finde es auch ein wenig affig, sich darüber aufzuregen, dass Lichtblick seine Angabe nur zu 98% genau gemacht hat. Also bitte, wen das stört, der kann ja mal in den Supermarkt gehen und gucken, wieviele Hersteller und Produkte nichtmal 50% dessen halten, was sie auf der Packung versprechen. Also, mit 98% ist LIchtblick meiner Meinung nach ziemlich fair und transparent – dass der sogenannte Ökostrom eigentlich in Wirklichkeit auch keiner ist, steht auf einem anderen Blatt :)

Ich bin übrigens für Kernenergie :)

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#3. Oktober 2nd, 2008, at 11:58 AM.

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